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05 Dezember
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Denk selbst! – Ein Relikt aus der Piratenurzeit? Nachrede zum #bpt112

Montag, der erste Tag nach dem Bundesparteitag in Offendings Offenbach. Turbulente zwei Tage waren das. Favorisierte Anträge wurden angenommen, favorisierte Anträge wurden abgelehnt, Anträge die ich nicht gut fand wurden angenommen und einige, zu meiner Freude, auch abgelehnt. So ein Parteitag ist das reine Gefühlschaos. Die Gefühle schwappen hin und her, minütlich, häufig abhängig von den Beiträgen der Redner an der Warteschlange für Wortmeldungen. So ein Parteitag ist aber auch ein sozialer Höhepunkt in Kreisen der Piraten. Inzwischen kennt man Piraten aus der ganzen Republik, mit vielen versteht man sich, mit einigen ist man gar befreundet, mit anderen hatte man schon derbe Auseinandersetzungen und geht ihnen aus dem Weg, mit anderen verträgt man sich bei einem kühlen Getränk auf einer der vielen Abendveranstaltungen. Und so verbringt man die Tage auf dem Parteitag umhüllt in einem dichten Gefühlsnebel. Klare Gedanken, pragmatische Denkansätze sind in dieser Zeit unglaublich anstrengend. Hat man es versäumt sich dieser klaren Gedanken im Vorfeld bewusst zu werden, ist der Zug auf dem Parteitag meist abgefahren.

Dieser Parteitag war zudem etwas ganz besonderes, denn er war der erste Parteitag für die vielen Neu-Piraten die nach dem Berliner Erfolg zu uns gestoßen sind. Und es verwundert kaum, dass viele dieser Piraten, von der Situation vor Ort, fast schon überfordert wirkten. Geschäftsordnung? Tagesordnung? Wahlleiter? Wahlsystem? Eine große komplexe Umgebung in die man reingesetzt wurde, viel Verantwortung die man übertragen bekommen hat und das ständige Gefühl, sich nicht richtig vorbereitet zu haben. So müssen es viele der Neu-Piraten empfunden haben. Und dann passiert etwas, was typisch für Menschen ist, die mit Problemen konfrontiert werden. Sie suchen nach Lösungen und wenn sie diese Problemlösungen nicht haben/finden, dann orientieren sie sich an anderen Menschen.

Und das konnte man in Offenbach ganz gut beobachten. Die Redebeiträge von ‘Parteiprominenz’ wie Abgeordneten, Vorständen und anderen bekannten Persönlichkeiten wurden übermäßig laut beklatscht. Kam es zu einer Abstimmung, so war dies auch im Abstimmungsverhalten deutlich spürbar. Es ist wahrscheinlich ein normales, gar menschliches Verhalten. Personen die gute Arbeit geleistet haben, werden in Posten und Funktionen gehoben. Sie bekommen, meist ohne es zu wollen einen Vertrauensvorschuss. Und diesen Menschen vertraut man halt mehr als anderen, logisch…oder?

Und genau das ist der fade Beigeschmack, der heute bei mir aufkam, nachdem der Gefühlsnebel der vergangenen Tage abgezogen ist. Ich hoffe, dass sich vor allem die Neu-Piraten der Verantwortung durch das Werkzeug ‘Basisdemokratie’ bewusst werden. Dieses Werkzeug ist unglaublich mächtig und sollte bewusst und durchdacht eingesetzt werden. Es ist nicht selbstverständlich in unserer jetzigen Gesellschaft und zudem sehr verletzlich. Es ist das pulsierende Herz der Piratenpartei und wir müssen damit behutsam umgehen. Eine Betriebsanleitung für dieses empfindliche und bedeutungsvolle Werkzeug, ist zugleich einer der ersten Piratensprüche die ich kennengelernt habe:

Denk selbst!

 

4 Responses to “Denk selbst! – Ein Relikt aus der Piratenurzeit? Nachrede zum #bpt112”

  1. Fizz sagt:

    Hi Maltis,

    ich glaube dem können wir nur begegnen, indem wir das Chaos aus dem Parteitag rausbekommen und die Anträge mit einer qualifizierten Kurzbeschreibung versehen.

    Und mit Chaos rausnehmen meine ich, das eine vernünftige Tagesordnung vorliegen muss, nicht von einem Antrag zum anderen gesprungen wird und immer irgendwo am Beamer oder in einem Pad (oder bestenfalls beidem) der aktuelle sowie die nächsten beiden Anträge zu sehen sind. Ich glaub ich mach da mal ein paar Screens wie das aussehen könnte…

  2. Hi @maltis , das sehe ich ähnlich. Aber mich freut es auch, wenn mal ein konzeptionell durchdachterer Antrag “durchkommt”, der rhetorisch nicht so geschickt vertreten wird.
    Die Idee vom @Fizz finde ich gut. Jeder Antragsteller sollte versuchen, diese Kurzzusammenfassung gleich mit beizusteuern.

    LG, Nick

  3. [...] dröge rüberkommenden Sebastian Nerz. Für die Strukturierung des Parteitags bedeutet das: Der Promifaktor strukturiert die Diskurse auf dem Parteitag [...]

  4. Hi,
    sowohl für den LPT in Soest als auch für den BPT in Offenbach fühlte ich mich gut vorbereitet, da ich die Anträge vorab alle mindestens überflogen und mir zu jedem Antrag eine Bewertung notiert habe. So war es für mich als Neu-Pirat kein Problem der Debatte zu folgen.

    Anstrengend war es trotzdem, aber es war schon genial zu sehen, wie die Mehrheit sich immer wieder (95%) für das entschieden hat, wofür ich auch gestimmt hätte. Vor allem hat mir Sebastian und Marina gefallen – und Drahflow nicht zu vergessen. Die Orga war super, geradezu unheimlich perfekt – alles in allem muss ich nochmal betonen: das ist die Partei auf die ich lange gewartet habe. Auch ich bin stolz Pirat zu sein, auch wenn sich das vielleicht abgedroschen anhört.

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