LiquidFeedback – ein ernüchternder Zwischenstand
Auf dem letzten Bundesparteitag der Piratenpartei in Bingen beschloss man, LiquidFeedback(LF) bundesweit einzuführen. LF ist ein Hilfsmittel zur innerparteilichen Entscheidungsfindung, programmatischer Arbeit sowie Diskussion. Es soll die Möglichkeit bieten, innerhalb kürzester Zeit, alle Mitglieder zu erreichen und ihnen sofort die Möglichkeit bieten sich aktiv mit einzubringen. Ein revolutionäres Konzept welches das Potential hat, die politische Landschaft nachhaltig zu verändern. Noch lange vor Fertigstellung und Einführung dieses Tools schwärmte ich interessierten Passanten an Infoständen von diesem Konzept vor.
Aktuelle Situation
Ich thematisierte LF auf dem Stammtisch und bei den Crewtreffen und stellte fest, dass ich nicht der einzige mit dieser Art Anlaufschwierigkeiten war. Die meisten der LF Teilnehmer hatten nicht mein Durchhaltevermögen und auch nicht die Bereitschaft soviel Zeit die benötigte Einarbeitung zu investieren. Diese Teilnehmer ließen sich von den ersten Eindrücken abschrecken und nutzen LF nicht mehr. Eine Reaktivierung dieser Personen gestaltet sich Erfahrungsgemäß eher schwierig.
Auf die Frage, welche Kritikpunkte ihnen spontan einfallen, wenn sie an LiquidFeedback denken, kamen folgende Punke auf. (unsortiert & ohne Wertung wiedergegeben)
- Teilnahmecode kam nicht an
- Einstieg schwierig
- Gefühl erschlagen zu werden
- es dauert lange um sich einen Überblick zu verschaffen
- Benutzeroberfläche zu überladen und unübersichtlich
- layertutorial nicht ausreichend
- nicht intuitiv
- FAQ nicht ausreichend
- Diskussionen ins Wiki ausgelagert, dadurch (zwangs)anmeldung im Wiki
- keine Emails mit Informationen zu aktuellen Vorgängen
Nach diesem Feedback machte sich bei mir etwas Ernüchterung breit. Vielen Piraten wurde das Konzept LF schmackhaft gemacht doch anschließend setzte man ihnen eine nicht fertige Version einer LF-Plattform vor die Nase. Viele der Piraten können mit dem Begriff der Beta-Phase nichts anfangen und haben auch keine Lust/Zeit sich als Betatester zur Verfügung zu stellen. Ich denke, diese hau-rück Einführung hat dem System mehr geschadet als genutzt. Unter den aktiven StammtischPiraten gibt es also viele Berührungsängste und zum Teil Unmut.
Zwar wird schon an einigen Stellen versucht mit LF-Workshops auf den Stammtischen die jetzige Situation etwas zu entspannen, doch ist es wohl eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Die meisten Piraten sind überwiegend minder-aktiv, besuchen keine oder nur sporadisch irgendwelche Stammtische oder organisieren sich in Crews. Mit diesen Workshops erreicht man also nur die 10-15% der sowieso schon aktiven Piraten. Egal ob nun an den Stammtischen oder gar online, die Teilnahme an Workshops und Sprechstunden ist mau und erreicht die schon bekannten Gesichter.
Es sieht so aus, als hätte das innovative Konzept, durch eine verfrühte Einführung einen heftigen Dämpfer erlitten. Zudem erschweren die aktuellen Datenschutz Diskussionen um LF die ganze Situation.
Schaffen es die Piraten ihre innovativen Konzepte in die Realität umzusetzen ohne sich dabei selbst das Beinchen zu stellen? Es bleibt spannend.

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Ich bin einer der 85-90% „nicht aktiven“ Piraten. Ich war nie auf einem Parteitag, Stammtisch oder ähnlichem was auch daran liegt das es hier im gesamten Hochsauerlandkreis, wenn überhaupt, nur eine handvoll Piraten gibt. Die Aussage das man mit Liquid Feedback nur die sowieso schon aktiven Piraten erreicht trifft bei mir und ich denke bei vielen anderen auch nicht zu. Ich bin immer noch begeistert von dem Tool. Das Liquid Feedback eine gewissen Komplexität aufweist ist schon richtig aber bei dem notwendigen Funktionsumfang wohl nicht zu vermeiden. Ich hab mir dieses Video angesehen: http://de.justin.tv/piraten_hamburg/b/258342308 und nach etwas selber experimentieren fand ich das alles überhaupt nicht mehr schwierig oder unübersichtlich, im Gegenteil. Ich bin jedenfalls für eine schnellstmögliche Einführung da die Vorteile die Nachteile bei weitem überwiegen.
Das sehe ich nicht so. Natürlich ist die Bedienoberfläche noch nicht ausgereift, garkeine Frage. Aber erstens handelt sich um ein neues Konzept in welches sich Menschen erst einmal hinein finden müssen. Zweitens kann eine solch Software auch nur wirklich Sinnvoll weiterentwickelt werden wenn sie aktive genutzt wird und nicht nur als ein Klick Spielweise.
Es Mittelfristig sollte sich natürlich eine Gruppe von Useability-Experten finden die ein Frontend erstellen das verständlich ist.
Ich kann mich dem Beitrag eigentlich nur anschließen. Man merkt, dass Liquidfeedback von Nerds für Nerds geschrieben worden ist.
Ich kann mich dem Beitrag eigentlich nur anschließen. Man merkt, dass Liquidfeedback von Nerds für Nerds geschrieben worden ist.
Das darf man nur keinem der Nerds laut sagen.
Grüße
ALOA
Ich hätte es mir auch anders vorgestellt. Und da ist wohl das Problem. Die Entwickler haben noch ganz ganz ganz viel zu tun.
Moni