zweitaktpirat

2 Takte bewegen die Welt

Archive for Juli, 2010

26 Juli
3Comments

Das Piratenbüro – ein alternatives Verwaltungskonzept

In NRW arbeiten aktuell viele Kräfte daran die Nachteile des Crewsystems zu beheben, dabei gibt es eine Reihe verschiedener Optimierungsansätze. Einen Optimierungsansatz den es bereits in Dortmund gegeben hat möchte ich in diesem Artikel ausführlich vorstellen:

In der heißen Wahlkampfphase vor der Landtagswahl 2010 in NRW, wurde die bisherige zentrale Mitgliederverwaltung auf Landesebene zu einem Problem. Wollten die Piraten einer Stadt beispielsweise zu der Wahl der Direktkandidaten einladen, musste dies durch den verantwortlichen Verwaltungspiraten im NRW Vorstand geschehen. Schnell führte dies zur Überlastung dieser Person. Einladungen wurden nicht fristgerecht versendet, was zu Problemen bei der Terminfindung zu neuen Wahlen vor Ort führte. Vielerorts wurde dadurch erst viel zu spät mit der Sammlung der Unterstützungsunterschriften für die Direktkandidaten begonnen, was maßgeblich zu einer Lähmung des gesamten Wahlkampfes führte. Der im Anschluss geäußerte Unmut und die Kritik an dem existierendem Verwaltungskonzept waren berechtigt.

In dieser Zeit, mitten im Wahlkampf ist in Dortmund eine Idee entstanden, wie man dieses Problem möglichst unkompliziert lösen könnte.  Eine Idee, die leider im Wahlkampftrubel viel zu sehr untergegangen ist. Auf der Mitgliederversammlung am 10. Januar 2010 wurde dort die Idee eines virtuellen Piratenbüros vorgestellt. Dabei soll von der Mitgliederversammlung ein Pirat gewählt werden, der den Landesvorstand bei den Verwaltungsaufgaben in seiner Region unterstützen soll. Der Mitarbeiter des virtuellen Piratenbüros soll dabei Zugriff auf die lokale Mitgliederdatenbank erhalten und in der Lage sein, unkompliziert und schnell:

  • zu einer Mitgliederversammlung einladen können
  • auf derselbigen die Akkreditierung durchführen
  • datenschutzkonforme Statistiken erstellen können (wieviele Piraten gibt es in Stadt XY)

Dieser lokale Verwaltungspirat ist dabei komplett dem verantwortlichen Landesvorstand unterstellt.  Bei der Mitgliederversammlung am 10.01.2010 in Dortmund wurde dieses Konzept mit 17 dafür und 0 Gegenstimmen angenommen. Der installierte BüroPirat hat daraufhin die Daten der Parteimitglieder aus Dortmund bekommen und war fortan in der Lage die oben beschriebenen Aufgaben selbst zu erledigen. Eine kurze Erklärung zum Dortmunder Piratenbüro gibt es hier.

Inspiriert durch die Vorkommnisse in Dortmund haben die Piraten aus Mülheim (an der Ruhr) am 06.07.2010 zu einer Mitgliederversammlung gerufen um ebenfalls ein Piratenbüro einzurichten. Dabei wurde das Dortmunder Konzept um weitere Punkte ergänzt. So soll es dort z.B. jährlich eine Mitgliederversammlung geben auf welcher der Büropirat neu gewählt werden muss.

Ich denke ein ähnliches Konzept wäre auch im Bereich der Finanzen möglich. Ein von den Mitgliedern vor Ort gewählter Verantwortlicher unterstützt den NRW-Schatzmeister dabei, die Finanzangelegenheiten vor Ort zu regeln. Er wäre in der Lage, Crewbudgets auf den virtuellen Konten zu verwalten und Buchungen auf diesen vorzuführen. Die AG Verwaltung NRW würde entlastet und die Mitglieder einer Stadt hätten einen festen Ansprechpartner.

Wir sehen also, für die administrativen Missstände auf lokaler Ebene gibt es gute Ansätze, um diesen entgegenzuwirken. Wir sollten neuen Ideen einen fruchtbaren Boden geben, damit sie sich entfalten können.

Klarmachen zum Ändern

24 Juli
2Comments

Jedes Jahr aufs Neue – Die vermüllten Rheinstrände bei Neuss

Sommer, Sonne, kühles Nass und dazu ein wundervoller Ausblick.

Wir Neusser können uns eigentlich glücklich schätzen, diesen wundervollen Fluß vor der Haustüre zu haben. Kilometerweite grüne Rheinwiesen mit alten Weiden und ruhige Sand/Kiesel-Strände. Eine typisch Niederrheinische Landschaft eben. Diese Strände sind Rückzugsgebiet für viele Wildtiere und somit größtenteils ausgewiesene Naturschutzgebiete. Doch auch der gemeine Städter wie ich, nutzt diese Orte zur Erholung. Und so freut man sich, wie in jedem Jahr, auf die Ausflüge dorthin.

Obwohl es ausgewiesene Naturschutzgebiete sind, ist das Neusser Ordnungsamt sowie die Wasserschutzpolizei sehr gemäßigt und toleriert die dortigen Aufenthalte. Offene Feuerstellen werden nicht gerne gesehen, gegen einen befestigten Grill hat jedoch keiner was.

Die Frage, die sich jedoch stellt; Wie lange noch…

Der letzte Besuch dort führte mir die Verantwortungslosigkeit meiner Mitmenschen vor Augen. Überall Glas und Kunststoff Flaschen, Pappteller, Essensreste und der ganze Sand voller Zigarettenstummel. Angesichts solcher Bilder bleibt nur noch abzuwarten, wann das Ordnungsamt konsequent wieder für menschenleere Strände sorgen wird.

Ein Appell an alle Neusser: Bitte nehmt euren Müll wieder mit und falls ihr noch Platz im Müllsack habt, auch den Müll euer idiotischen Vorgänger. Damit wir noch morgen am Rhein relaxen können.

14 Juli
5Comments

LiquidFeedback – ein ernüchternder Zwischenstand

Auf dem letzten Bundesparteitag der Piratenpartei in Bingen beschloss man, LiquidFeedback(LF) bundesweit einzuführen. LF ist ein Hilfsmittel zur innerparteilichen Entscheidungsfindung, programmatischer Arbeit sowie Diskussion. Es soll die Möglichkeit bieten, innerhalb kürzester Zeit, alle Mitglieder zu erreichen und ihnen sofort die Möglichkeit bieten sich aktiv mit einzubringen. Ein revolutionäres Konzept welches das Potential hat, die politische Landschaft nachhaltig zu verändern. Noch lange vor Fertigstellung und Einführung dieses Tools schwärmte ich interessierten Passanten an Infoständen von diesem Konzept vor.

Aktuelle Situation

Seit Anfang April haben wir in NRW nun die Möglichkeit LF zu nutzen. Voller Vorfreude stürzte ich mich drauf, doch eine leichte Ernüchterung kam schon sehr schnell. Die Benutzeroberfläche schien mir sehr unaufgeräumt und diverse Probleme bei den Begrifflichkeiten hielten mich von einer direkten Nutzung ab. Nachdem ich die FAQs gelesen hatte verstand ich was Initativen, Unterstützer, potentielle Unterstützer, Themebereiche und unzählige andere Begriffe bedeuten. Nach dieser Einarbeitungszeit klappte es dann doch noch irgendwann, sich in diesem System zurecht zu finden.

Ich thematisierte LF auf dem Stammtisch und bei den Crewtreffen und stellte fest, dass ich nicht der einzige mit dieser Art Anlaufschwierigkeiten war. Die meisten der LF Teilnehmer hatten nicht mein Durchhaltevermögen und auch nicht die Bereitschaft soviel Zeit die benötigte Einarbeitung zu investieren. Diese Teilnehmer ließen sich von den ersten Eindrücken abschrecken und nutzen LF nicht mehr. Eine Reaktivierung dieser Personen gestaltet sich Erfahrungsgemäß eher schwierig.

Auf die Frage, welche Kritikpunkte ihnen spontan einfallen, wenn sie an LiquidFeedback denken, kamen folgende Punke auf. (unsortiert & ohne Wertung wiedergegeben)

  • Teilnahmecode kam nicht an
  • Einstieg schwierig
  • Gefühl erschlagen zu werden
  • es dauert lange um sich einen Überblick zu verschaffen
  • Benutzeroberfläche zu überladen und unübersichtlich
  • layertutorial nicht ausreichend
  • nicht intuitiv
  • FAQ nicht ausreichend
  • Diskussionen ins Wiki ausgelagert, dadurch (zwangs)anmeldung im Wiki
  • keine Emails mit Informationen zu aktuellen Vorgängen

Nach diesem Feedback machte sich bei mir etwas Ernüchterung breit. Vielen Piraten wurde das Konzept LF schmackhaft gemacht doch anschließend setzte man ihnen eine nicht fertige Version einer LF-Plattform vor die Nase. Viele der Piraten können mit dem Begriff der Beta-Phase nichts anfangen und haben auch keine Lust/Zeit sich als Betatester zur Verfügung zu stellen. Ich denke, diese hau-rück Einführung hat dem System mehr geschadet als genutzt. Unter den aktiven StammtischPiraten gibt es also viele Berührungsängste und zum Teil Unmut.

Zwar wird schon an einigen Stellen versucht mit LF-Workshops auf den Stammtischen die jetzige Situation etwas zu entspannen, doch ist es wohl eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Die meisten Piraten sind überwiegend minder-aktiv, besuchen keine oder nur sporadisch irgendwelche Stammtische oder organisieren sich in Crews. Mit diesen Workshops erreicht man also nur die 10-15% der sowieso schon aktiven Piraten. Egal ob nun an den Stammtischen oder gar online, die Teilnahme an Workshops und Sprechstunden ist mau und erreicht die schon bekannten Gesichter.

Es sieht so aus, als hätte das innovative Konzept, durch eine verfrühte Einführung einen heftigen Dämpfer erlitten. Zudem erschweren die aktuellen Datenschutz Diskussionen um LF die ganze Situation.

Schaffen es die Piraten ihre innovativen Konzepte in die Realität umzusetzen ohne sich dabei selbst das Beinchen zu stellen? Es bleibt spannend.